
Rezension · 30. Oktober 2026
NEON HOPE (2026)
Vom Prototypen zum fertigen Kartenspiel
Kartenspiel für 1-4 Personen ab 14 Jahren mit einer Spieldauer von 90-120 Minuten
„NEON HOPE“ ist für mich kein unbekannter Titel. Ich konnte bereits den Prototypen testen und habe euch auf „Sprungbrettle“ davon berichtet. Besonders gefallen haben mir damals das Erkunden der Orte und das Aufdecken neuer Begegnungen. Auch das Grid, mit dem ihr den Ausgang eurer Aktionen beeinflusst, fand ich interessant.
Jetzt geht es um das fertige Spiel von Hopeful Games. Ihr arbeitet gemeinsam gegen die Machenschaften mächtiger Tech-Konzerne und entscheidet, wie eure Geschichte weitergeht. Ich stelle euch vor, was euch in dieser Zukunft erwartet und wie das Zusammenspiel aus Karten und Entscheidungen funktioniert.
Hinter „NEON HOPE“ steht das deutsche Indie-Studio Hopeful Games. Zum Kernteam gehören Dominik Schönleben, Francesco Grothe und Torben Ratzlaff. Die Entwicklung begann bereits 2020. Nach zahlreichen Tests entschied sich das Team dafür, das Spiel über Crowdfunding zu veröffentlichen. Die Kickstarter-Kampagne startete im April 2025 und erreichte ihr Finanzierungsziel innerhalb von fünf Stunden.
Mit „NEON HOPE“ möchte das Team gesellschaftliche Fragen mit einer Geschichte verbinden, auf die ihr selbst Einfluss nehmen könnt. Die Spielwelt zeigt ein zukünftiges Berlin zwischen Konzernmacht und Menschen, die sich für eine bessere Zukunft einsetzen.
Spielablauf
Ihr übernehmt unterschiedliche Charaktere und spielt gemeinsam eine Kampagne aus mehreren Episoden. Welche Ziele ihr verfolgt und welche Sonderregeln gelten, erfahrt ihr auf den jeweiligen Karten und im Storybuch. Eure Entscheidungen und Ergebnisse beeinflussen den weiteren Verlauf.
Jede Runde beginnt mit der Charakterphase. Ihr bestimmt gemeinsam die Reihenfolge, in der ihr eure Züge ausführt. Jeder Charakter hat grundsätzlich drei Aktionen. Damit wechselt ihr Orte oder führt Aufgaben aus: Ihr ermittelt, holt Unterstützung, kämpft oder hackt.
Für eine Aufgabe vergleicht ihr ein Attribut mit ihrer Schwierigkeit. Passende Aktionskarten und Attributsmarker können euren Wert erhöhen. Anschließend deckt ihr einen Modifikator aus dem Grid auf. Er verändert euren Wert oder löst einen besonderen Effekt aus. Aufgedeckte Modifikatoren bleiben zunächst sichtbar. Dadurch verändert sich im Verlauf, welche Ergebnisse noch möglich sind. Manche Aufgaben besitzen zusätzlich einen Gefahrenwert, den ihr gesondert beachten müsst.
Mit abgeschlossenen Aufgaben verdient ihr Ressourcen. Diese könnt ihr beim Fokussieren für Vorteile und Verbündete ausgeben. Dabei erneuert ihr eure Kartenhand, verliert aber Ausdauer. Ihr müsst deshalb abwägen, wie schnell ihr eure Karten verbraucht. Stress zwingt euch zum Abwerfen, Hoffnung kann euch davor schützen.
In der Begegnungsphase handelt ihr die Aktionen des Konzerns ab. Die Überwachung steigt und jeder Charakter erhält eine Begegnungskarte. Sobald diese gezogen wurden, dürft ihr euch bis zu ihrer vollständigen Abhandlung nicht mehr beraten.
Eine Episode endet nach ihren Vorgaben oder vorzeitig, wenn die Überwachung 30 erreicht oder ein Charakter erschöpft. Anschließend haltet ihr das Ergebnis fest und setzt die Geschichte entsprechend fort.
Spielgefühl
„NEON HOPE“ hat mich tief in seine Welt hineingezogen. Die Geschichte bleibt für mich über die Episoden hinweg konsistent und lässt sich gut verfolgen. Trotz der unterschiedlichen Entscheidungen und möglichen Abzweigungen konnte ich dem Geschehen folgen und nachvollziehen, wie sich die Ereignisse entwickeln.
Einen großen Anteil daran haben die Kennsätze im Kampagnenlogbuch. Je nachdem, was ihr entscheidet oder erlebt, notiert ihr dort bestimmte Einträge. Diese werden später beim Aufbau einer Episode und beim Weiterlesen wieder abgefragt. Frühere Entscheidungen wirken dadurch weiter und beeinflussen, unter welchen Umständen ihr eure Reise fortsetzt.
Auch zwischen den Textabschnitten bleibt ihr mit der Welt beschäftigt. Ihr erkundet Orte, sprecht mit Menschen und überlegt gemeinsam, welche Aufgaben ihr zuerst angehen wollt. Die steigende Überwachung setzt euch dabei unter Druck. Ihr könnt nicht jeder Spur beliebig lange nachgehen und müsst abwägen, wofür ihr eure Aktionen und Karten einsetzt.
Bei aller Konzernmacht und Überwachung gibt es aber auch kleine Details zu entdecken. Im Team muss jemand ein Hundefreund sein, zumindest drängt sich mir dieser Verdacht auf. Auf vielen Karten haben sich Hunde versteckt, und selbst kleine genmodifizierte Taschenhunde gehören zu dieser Zukunft.
Haltet beim Spielen auch nach kleinen Easter Eggs Ausschau. Neben den vielen Hunden versteckt sich sogar ein augenzwinkernder Auftritt eine bekannte Person in der Geschichte. Wo und in welcher Form ihr ihr begegnen könnt, verrate ich euch nicht.
Nach meinem ersten vollständigen Durchlauf bleibt vor allem die Neugier darauf, was andere Entscheidungen verändert hätten. Ich möchte wieder einsteigen, neue Wege ausprobieren und sehen, welche Begegnungen mir bisher entgangen sind.
Grundspiel, Erweiterung und Deluxe
Das Grundspiel von „NEON HOPE“ enthält vier spielbare Charaktere und eine vollständige Geschichte mit 33 möglichen Enden. Die Erweiterung „Auf hoffnungsvoller Mission“ ergänzt vier weitere Charaktere sowie alternative Begegnungskarten und ein Nemesis-Karten-Set.
Das separat angebotene Deluxe Upgrade Pack verändert die Ausstattung. Es enthält acht Acrylaufsteller für die Charaktere aus Grundspiel und Erweiterung, 26 Grid-Marker aus Keramik sowie sechs Neoprenmatten. Die Charakter-Erweiterung und das Deluxe-Zubehör erfüllen damit unterschiedliche Zwecke: Die eine ergänzt Spielinhalte, das andere ersetzt beziehungsweise erweitert das Material.







Fazit
Zum Zeitpunkt dieses Beitrags habe ich „NEON HOPE“ einmal vollständig durchgespielt und eines der 33 möglichen Enden erreicht. Damit ist meine Reise aber längst nicht vorbei. Das Spiel hat mir richtig gut gefallen, und ich möchte herausfinden, wohin mich andere Entscheidungen führen.
Schon beim Prototypen haben mir das Erkunden der Orte und das Aufdecken neuer Begegnungen gefallen. Nach dem ersten vollständigen Durchlauf möchte ich nun erneut in diese Welt zurückkehren. Für mich ist das ein guter Grund, die Karten wieder auf den Tisch zu bringen.
Auch die Umsetzung durch Hopeful Games möchte ich loben. Ein deutsches Indie-Studio hat hier ein umfangreiches erzählerisches Kartenspiel entwickelt und das Grundspiel bei Ludo Fact in Deutschland produzieren lassen. Dass die Karten in Papier verpackt sind, gefällt mir ebenfalls. Solche Entscheidungen bei Produktion und Verpackung verdienen aus meiner Sicht Aufmerksamkeit.
Auch die klare Haltung von Hopeful Games zum Einsatz generativer KI gefällt mir. Das Team verzichtet bei Texten und Illustrationen ausdrücklich darauf. Gerade bei einem Spiel, dessen Welt so stark von seiner Geschichte und den vielen Bilddetails lebt, weiß ich die Arbeit der Menschen dahinter zu schätzen.
Wenn ihr kooperative Kartenspiele mögt, euch auf eine längere Geschichte einlassen und gemeinsam Entscheidungen treffen wollt, schaut euch „NEON HOPE“ näher an. Über die kostenlose Demo könnt ihr selbst ausprobieren, ob euch das Spiel liegt.
Ich freue mich, dass ihr meinen Beitrag gelesen habt und möchte euch motivieren mir gerne Rückmeldung zu geben. Kennt ihr „NEON HOPE“ schon?
Abonniert meinen RSS-Feed um keinen Beitrag zu verpassen.
Transparenzhinweis: Das Spiel „NEON HOPE“ wurde mir vom Verlag Funtails als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Die Bereitstellung hat keinen Einfluss auf meine Bewertung.
Links
„NEON HOPE“ : Hier
Beitrag zum Prototypen von Neon Hope.
