sprungbrettle.de - More than a first impression

Suche

Perdition’s Mouth: Abyssal Rift
Dungeon-Crawler für 1-6 Abtrünnige

Perdition's Mouth: Abyssal Rift
Lesedauer 8 Minuten

„Perdition‘s Mouth: Abyssal Rift“ ist ein kooperativer Dungeon Crawler im Fantasy-Horror Szenario für 1-6 Personen ab 10 Jahren.

Taucht ein in die faszinierende Welt von „Perdition’s Mouth: Abyssal Rift“, einem anspruchsvollen kooperativen Dungeon Crawler im Fantasy-Horror-Szenario. In diesem Spiel werdet ihr vor immer neue Herausforderung gestellt, während ihr euch mit eurer Heldengruppe in die Tiefen des Abyss wagt. Erforscht mit mir den Spielaufbau, die Mechaniken und die einzigartige Spielerfahrung dieses düsteren Abenteuerspiels.


„Take from me my eyes. I have seen too much.“

– Codex Aeternum

Ich soll in irgendeinen Schlund von „Perdition‘s Mouth: Abyssal Rift“ kriechen und mich mit meiner Heldinnengruppe durch das Höhlensystem wühlen und das auch noch unter der Erde. Unterhalb der Höhle, im Abyss, dort wartet dann der Dämon selbst auf mich. Das hört sich schon alles ziemlich unheimlich an. Beim ersten Blättern in der Anleitung merke ich: Einfach wird das auf keinen Fall.

VerlagDragon Dawn Productions
AutorRen Multamäki,
Thomas Klausner,
Kevin Wilson
Spielzeit30-180 Minuten
AltersangabeAb 10 Jahren
Anzahl Personen1-6 Personen
GrafikMatthias Catrein
BGG-Weight3,85

„Perdition‘s Mouth Abyssal Rift“ Spielaufbau

Das Regelheft sagt: „Wähle ein Szenario!“. Doch nur welches soll es sein? Nach einer kleinen Recherche finde ich auf der Seite des Verlags einen sehr hilfreiches Bild: ein Szenario Flowchart mit einer möglichen und sinnvollen Reihenfolge der Szenarien. Danke dafür! Gut, ich starte mit dem Einführungsszenario. Das soll mich in die Regeln einführen. Langsam und gemächlich.

Bei diesem Klopper bin ich da noch etwas skeptisch. Ein 40-seitiges Regelheft und eine BGG-Bewertung von 3,9 lässt ahnen, dass dieses Spiel nicht einfach so von der Hand geht. Informationen zum Aufbau finde ich auf der Rückseite des Szenarios. Es geht los mit der Karte 1 – dem Eingang. Das muss ich erst einmal in dem Kartenstapel suchen und aufklappen. Die Karten sind zweiseitig bedruckt.

Jedes Szenario sagt mir wo ich den Eingang finde und wo ich heraus flitzen muss, um die Bedrohung erst einmal hinter mich zu bringen. In Szenario 1 platziere ich drei Wachen und einen Aklyth, der versucht schlau auszusehen. Humor hat das Spiel jedenfalls.

„Perdition‘s Mouth“ lässt sich in Einzelszenarien und als Kampagne spielen. Ich fange jetzt erst einmal mit einem Einzelszenario an um in die Mechaniken einzusteigen. In die Kampagne stürze ich mich später mit Merkblatt um die Fortschritte zu notieren.

Monsterreserven

Jetzt geht es an die Monsterreserven. Ziemlich mechanisch nennen sich die Löcher, aus denen die Monster schlüpfen „Primärer Vermehrungspool“, „Sekundärer Vermehrungspool“ und „Reservepool“. Welches Monster in welchen Pool gehört, das zeigt mir die Szenariokarte. Ich reihe sie auf wie die Hühner auf der Stange und wähle jetzt meinen Charakter.

Charakterwahl

Für die Wahl meines Charakters nehme ich mir die Heldentafel, die passenden Miniatur, Marker, Schild und die Heldenkarten. Die Heldentafel zeigt die Attribute und spezielle Fähigkeiten meiner Heldin. Die Miniatur repräsentiert mich auf dem Spielplan. Der Marker gibt an, wie viele Treffer ich schon einkassieren musste. Mein Schild kommt auf den Entscheidungsstein (dazu später mehr). Heldenkarten verstärken Aktionen oder geben mir weitere Fähigkeiten.

Charaktertableau

Jeder Charakter hat ein eindeutiges Symbol. Vor der ersten Runde darf ich die entsprechenden Sticker auf die Charakterpfeile legen. Einer kommt auf mein Charaktertableau und einer auf den Entscheidungsstein. Das Charaktertableau zeigt mir, wie viele Karten mir in der Starthand zur Verfügung stehen und außerdem mein Handkartenlimit. In guter Fantasymanier hat jeder Charakter einen eigenen Heldentypen und verschiedene Fähigkeiten.

Entscheidungsstein

Als nächstes schaue ich mir den sagenumwobenen Entscheidungsstein an. Er besteht aus acht Speichen, die acht Heldenaktionen repräsentieren. Der Entscheidungsstein ist das Herzstück von „Perdition‘s Mouth“. Der Heldenmarker wird in die Bewegungsspeiche gesetzt. Weitere Heldenmarker verteilen sich in der Spezialspeiche und dann weiter im Uhrzeigersinn. Wenn die Spitze meines Heldenmarkers nach außen zeigt, dann bin ich bereit eine Aktion auszuführen.

Unheilsstein

Doch was fällt mir da in die Hände? Ein Unheilsstein. Er steuert die Aktionen der Gegner. Auf einer Speiche finde ich Blutspuren, das ist dann wohl die Startaktions-Speiche. Dort platziere ich die beiden Gegnermarker. Den Bedrohungszeiger drehe ich direkt auf Start. Je nach dem wie viele Charakter mitspielen und ob Szenario oder Kampagne wird die Bedrohungsanzeige entsprechend weiter gedreht.

Vorbereitung der Kartendecks

Um folgende Kartendecks geht es jetzt:

  • Reaktionsdeck
  • Wundendeck
  • Schatzdeck
  • Gerettete Opfer-Deck
  • Opfer-Reaktionsdeck
  • Gegner-Referenzkarten
  • Heldendeck und Starthand

Überraschend schnell muss ich nur ein paar Stapel wild durchmischen und bin dann auch schon fast fertig. Mit dem Reaktionsdeck kann ich die Schwierigkeit von Perdition‘s Mouth bestimmen. Da kralle ich mir erst einmal alle Standardkarten und versuche mich daran zu erinnern, dass man nicht jedes Spiel direkt in „Hardmode“ spielen muss. Aufgebaut ist „Perdition‘s Mouth“ wirklich schnell.

Meine Aufgabe besteht jetzt eigentlich nur daraus den Dungeon von Eingang zu Ausgang zu durchqueren. Jede Runde besteht aus einer Heldenphase und einer Gegnerphase. Das kann ja nicht so schwer sein, oder doch?

Heldenphase

Let‘s start with the heroes. Die Reihenfolge der Charakter kann jederzeit angepasst werden, das gefällt mir gut. So lange niemand stirbt oder das Ziel des Szenarios vergeigt ist, kann ich weiterspielen. Ich spiele folgende Aktionen durch:

  • Aktionspunkte erhalten
  • Heldenmarker auf dem Entscheidungsstein bewegen
  • Heldenkarten und -fähigkeiten spielen
  • Reaktionskarten ziehen oder Heldenminiatur bewegen
  • Heldenmarker nach innen drehen
  • nächster Charakter ist dran

Gegnerphase

Kaum ist meine Heldinnengruppe fertig, darf die andere Seite zeigen, was sie kann. Der Unheilsstein steuert, welche Aktionen die Gegner ausführen. Zusammen mit den Reaktionskarten sorgt er dafür, dass ich nie ganz sicher sein kann, was gleich auf uns zukommt. Jetzt zeigt sich, wie gut unsere Vorbereitungen wirklich waren.

In der Gegnerphase wird geprüft, ob weitere Gegner ins Spiel kommen und wie die vorhandenen vorgehen. Bewegung und Angriffe laufen nach festen Regeln ab – eine Person, die das Böse übernimmt, brauchen wir also nicht. Das bekommt das Spiel auch ganz alleine hin. Leider ziemlich gut.

Was eben noch nach einem einigermaßen übersichtlichen Höhlengang aussah, kann uns jetzt vor neue Probleme stellen. Deshalb gehört die Gegnerphase gedanklich schon zu unserer Planung: Wo stehen wir? Wer ist gefährdet? Und haben wir uns vielleicht doch etwas zu weit vorgewagt? Sobald die Gegner fertig sind, dürfen wir wieder ran. Hoffentlich mit einem guten Plan.

Spielgefühl

Eigentlich muss ich doch nur vom Eingang zum Ausgang. Wie kompliziert kann das schon werden? „Perdition’s Mouth“ beantwortet mir diese Frage ziemlich deutlich: sehr. Zwischen meiner Heldinnengruppe und dem rettenden Ausgang stehen schließlich nicht nur ein paar schlecht gelaunte Höhlenbewohner, sondern auch meine eigenen Entscheidungen. Und die wollen gut überlegt sein.

Der Entscheidungsstein ist dabei mehr als ein ungewöhnlicher Ersatz für die übliche Aktionsauswahl. Ich muss überlegen, was ich jetzt brauche und wie ich danach weitermachen möchte. Eine Aktion für sich genommen mag sinnvoll erscheinen, aber passt sie auch zu dem, was die anderen vorhaben? Wer sollte zuerst handeln? Wer braucht Unterstützung? Da schaue ich schnell häufiger auf unsere Möglichkeiten als auf die hübschen Miniaturen. Entspannt durch den Dungeon spazieren sieht jedenfalls anders aus.

Hier braucht es Interaktion: Wir müssen als Gruppe zusammenarbeiten. Einfach der Reihe nach den eigenen Zug abhandeln und zwischendurch gedanklich zur nächsten Knabberei abbiegen, funktioniert hier schlecht. Es gibt Spielraum aber verlangt aber auch Absprache. Mein eigener schöner Plan hilft schließlich wenig, wenn der Rest der Gruppe anschließend in Schwierigkeiten steckt.

Und dann sind da noch die Gegner. Ich weiß nie ganz genau, was sie als Nächstes anstellen. Das sorgt dafür, dass selbst ein gründlich durchdachter Plan keine Garantie ist. Nach der Heldenphase ist deshalb noch lange kein Aufatmen angesagt. Erst einmal schauen, was auf der anderen Seite passiert. Dieser Wechsel zwischen gemeinsamem Tüfteln und gespanntem Abwarten hält mich bei der Sache.

Dabei muss ich mich von der Vorstellung verabschieden, hier als nahezu unbesiegbare Heldin alles aus dem Weg zu räumen. „Perdition’s Mouth“ macht es mir schwer, und Fehler können wehtun. Das kann durchaus frustrieren, gerade wenn wir lange überlegt haben und es trotzdem eng wird. Gleichzeitig passt dieses Gefühl, sich jeden Fortschritt erarbeiten zu müssen, wunderbar zum düsteren Szenario. Der Abyss soll offenbar kein durchschnittliches Ausflugsziel werden.

Bis das alles greift, braucht es allerdings Geduld. Meine Erfahrung mit anderen Dungeon Crawlern hilft mir nur bedingt, denn hier läuft eben einiges anders. Ich muss mich auf die Abläufe einlassen und verstehen, wie die einzelnen Möglichkeiten ineinandergreifen. Der Einstieg ist Arbeit. Für mich lohnt sie sich aber, weil hinter den ungewohnten Begriffen und den beiden Rädern ein Spiel steckt, das mich auch nach den ersten Partien noch fordert.

Nach über 20 Stunden habe ich jedenfalls noch lange nicht das Gefühl, alles gesehen zu haben. „Perdition’s Mouth“ ist für mich ein Dungeon Crawler für Abende, an denen ich Lust auf gemeinsames Grübeln, schwierige Entscheidungen und ordentlich Gegenwind habe. Die Köpfe rauchen, der Ausgang scheint mal wieder viel zu weit weg und gelegentlich drehe ich tatsächlich am Rad. Zum Glück gehört das hier zum Spiel.

Für wen ist „Perdition’s Mouth“ geeignet?

Ihr spielt gerne Dungeon Crawler, habt aber Lust auf etwas abseits der gewohnten Abläufe? Dann könnte „Perdition’s Mouth“ genau euer Ding sein. Vorausgesetzt, ihr bringt Geduld für den Einstieg mit und habt Spaß daran, gemeinsam über euren nächsten Zug zu grübeln. Wer gerne Möglichkeiten abwägt, sich mit der Gruppe abspricht und auch unter Druck noch nach einem Ausweg sucht, bekommt hier ordentlich Futter fürs Hirn.

Die düstere Welt muss euch dabei genauso liegen wie der knackige Schwierigkeitsgrad. Rückschläge gehören dazu und nicht jeder gute Plan geht auf. Wenn euch das eher zum nächsten Versuch motiviert, als das Spiel zurück ins Regal zu befördern, seid ihr hier gut aufgehoben.

Für einen lockeren Spieleabend, an dem nebenbei ausgiebig geplaudert wird, würde ich dagegen etwas anderes auf den Tisch bringen. Auch wer vor allem durch den Dungeon ziehen, Monster umhauen und sich dabei möglichst mächtig fühlen möchte, sollte wissen: Dieser Schlund wehrt sich. Die Altersangabe „ab 10 Jahren“ würde ich außerdem nicht mit einem leichten Einstieg verwechseln. Hier zählen aus meiner Sicht vor allem Spielerfahrung, Ausdauer und die Lust, sich in ein anspruchsvolles Spiel hineinzufuchsen.

Galerie

Ich freue mich, dass ihr meinen Beitrag gelesen habt und möchte euch motivieren mir gerne Rückmeldung zu geben. Wie gefallen euch Dungeon Crawler? Habt ihr „Perdition’s Mouth“ schon einmal gespielt? Schreibt mir gerne über das Kontaktformular.

Abonniert meinen RSS-Feed um keinen Beitrag zu verpassen. Weitere Kontaktmöglichkeiten findet ihr in der Fußzeile.

Das Spiel „Perdition’s Mouth: Abyssal Rift!“ ist selbst gekauft. Ich hatte die Chance mir das Spiel 2023, auf der SPIEL in Friedrichshafen, direkt vom Autor Ren vorstellen zu lassen. Schaut auf Messen am Stand des Verlags Dragon Dawn Productions vorbei, da habt ihr gute Chancen Ren ausfindig zu machen.

Links

Weitere Informationen zum Spiel findet ihr hier.

Zu Dragon Dawn Productions geht’s hier entlang.

Dir gefallen Beiträge dieser Art? Dann schau dich gerne hier um: Quickshots

Inhaltsverzeichnis
Bleib' immer auf dem Laufenden und abonniere meinen RSS-Feed.
Bleib' immer auf dem Laufenden und abonniere meinen RSS-Feed.
Assoziationsspiel für 2-5 Personen ab 8 Jahren mit einer Spieldauer von 20-40 Minuten.